Frank Wildhorn - Ich möchte nach Europa, der Broadway gefällt mir nicht (Autor: Jan Adam, Michael Prostìjovský) „Die tschechische Premiere meines Musicals Jekyll & Hyde hat mich begeistert,“ sagt der weltberühmte Komponist FRANK WILDHORN. Nach Prag möchte er zurückkehren, nicht zuletzt, um mit Karel Gott zusammenarbeiten zu können. Zur kürzlich aufgeführten Prager Premiere des Musicals Jekyll & Hyde kam auch der Autor des Stückes, Frank Wildhorn. Der berühmte amerikanische Komponist, Autor vieler Musicals und Welthits, gewährte der tschechischen Tageszeitung MF DNES ein Exklusivinterview.
*Kann die tschechische Aufführung einem Vergleich mit anderen Inszenierungen Ihres Musicals in der Welt standhalten?

Zuerst einmal muss ich Ihnen etwas erklären? Ich bin ein großer Bewunderer Andrew Lloyd Webbers. Trotzdem teile ich nicht seine Theorie, daß jeder Zuschauer, wo auch immer auf der Welt, die aufs Haar gleichen Musicals sehen sollte wie der Premierenzuschauer im Londoner West End oder auf dem New Yorker Broadway. Meiner Auffassung nach sollte beim Einstudieren meines Musicals der entsprechende Regisseur und sein Team das letzte Wort haben. Zusammen sollten sie jeder Premiere eine neue, ganz und gar eigene Handschrift verleihen. Und gerade das ist in Prag ohne Zweifel gelungen.
*Schön, aber nun sagen Sie mir, ob Ihnen die Vorstellung auch gefallen hat.
Gefallen? Ich bin total begeistert! Von den Kostümen, der Ausstattung, der Regie, den Leistungen der Sänger und, vor allem, von der Leistung des Musiktheaters Karlín. In Prag spielt bei jeder Vorstellung ein großes Einunddreißig-Mann-Orchester. Das ist einzigartig auf der ganzen Welt. Ich würde gern einmal nach Prag zurückkehren.
*Haben Sie hier weitere musikalische Pläne?
Ja das habe ich. Ich wäre sehr froh, wenn in der Zukunft im ursprünglichen historischen Gebäude des Musiktheaters Karlín, das vor drei Jahren vom Hochwasser beschädigte wurde, eines meiner Musicals gespielt werden würde. Aber das ist nicht alles. Ich möchte mit eurem Sänger Karel Gott ein Album aufnehmen. Und zwar nicht nur für den tschechischen, sondern auch für den deutschen Markt.
*Und wie sind Sie auf Karel Gott gekommen?
Ich bin bereits seit einigen Jahren über sein Können und seine Popularität in den Ländern Mittel- und Osteuropas informiert. Jetzt haben wir uns in Prag getroffen und festgestellt, daß uns die gleiche Musik gefällt und daß es toll wäre, wenn wir unsere Kräfte vereinen würden.
*Inwiefern würde Ihnen so ein Zusammenschluss helfen?
Ich möchte mit meiner Musik stärker in den Ländern zu hören sein, in welchen mir Karel Gott der beste Begleiter sein kann, da er dort sehr beliebt ist. Es würde mich freuen, wenn er Lieder aus meinen Musicals sowie Lieder, die ich extra für ihn geschrieben habe, singen würde. In Zukunft möchte ich mich einfach viel stärker in Europa durchsetzen.
*Und Sie haben nicht in erster Linie die Intention, daß Ihre Musik vor allem in New York auf dem Broadway gespielt wird? Schließlich liefen im Jahre 1999 auf dem Broadway gleich drei Stücke von Ihnen gleichzeitig. Das war zweiundzwanzig Jahre lang keinem Amerikaner gelungen.
Das war natürlich ein großer Erfolg. Aber ich sage Ihnen was. Es war nie so, daß ich dem Musical total verfallen war. Es macht mir auch Spaß, Popsongs und Kompositionen, die man hoffentlich zur zeitgenössischen E-Musik zählt, zu schreiben. Am meisten liegt mir daran, daß die Menschen meine Musik mögen, daß sie ihnen Freude bereitet und daß sie zu einem Bestandteil ihres Lebens wird. Wenn ich jetzt meine Kompositionen schreibe, denke ich nicht daran, wie sie am Broadway ankommen werden. Ich denke daran, ob sie gefallen werden, wo auch immer. Der Broadway war nie der Traum meines Lebens. Vielleicht hatte ich gerade deswegen mit meinen Musicals dort Erfolg.
*Es sieht fast so aus, als ob Sie den Broadway nicht besonders lieben würden.
So ist es auch! Ich mag den Broadway nicht. Der Broadway hält sich selbst für den Nabel der Welt. Es gelten dort Gesetzmäßigkeiten, die Sie woanders auf der Welt nicht finden.
*Zum Beispiel?
Überall herrscht das Diktat des Geldes, das bestreite ich nicht. Aber daß ein, zwei Kritiken in Zeitungen wie der New York Times darüber entscheiden, ob Euer Stück weiterhin gespielt wird oder nicht, das gibt es anderswo auf der Welt zum Glück nicht. Im vergangenen Jahr hatte mein Musical Dracula am Broadway Premiere. Zu Beginn dieses Jahres wurde dieses Musical nach 157 regulär gegebenen Vorstellungen abgesetzt. Raten Sie mal warum?
*Hat es nicht gefallen?
Die Zuschauer, die es besucht haben, sind begeistert nach Hause gegangen. Über die Absetzung des Stückes entschieden zwei negative Rezensionen in einer überschätzten New Yorker Zeitung, welche die Sponsoren so stark beeinflussten, daß sie aufhörten, das Musical zu unterstützen, und das nicht nur in New York, sondern in den gesamten Vereinigten Staaten. Über das Schicksal von Dracula habe ich aber keine Angst. Ende April dieses Jahres findet in der Schweizer Stadt St. Gallen seine Europapremiere statt, an die sich eine Europatournee anschließen wird.
*Werden wir dieses Musical auch bei uns sehen? Die Tschechische Republik werden wir mit unserer Draculaaufführung nicht besuchen. Wir wissen nämlich ganz genau, daß Euer gleichnamiges Musical das erfolgreichste ursprünglich-tschechische Musical aller Zeiten ist.
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FRANK WILDHORN
ist einer der produktivsten und weltweit meistaufgeführtesten Musicalautoren. Von ihm stammen zum Beispiel die Musicals Jekyll & Hyde, The Scarlet Pimpernel und The Civil War. Zusammen mit dem Zauberer David Copperfield bereitet er das Musical Alice im Wunderland vor. Wildhorns Lieder erklangen bei vielen bedeutenden Veranstaltungen, so z.B. bei den Olympischen Spielen. Der größte Hit aus dem
Musical Jekyll & Hyde - This Is The Moment - erklang bei der Amtseinführung des Präsidenten Bill Clinton im Jahre 1996. Die großen Stars des amerikanischen Showbiz (Whitney Houston, Sammy Davis jr., Liza Minelli...) haben seine Lieder gesungen. Er komponierte für die herausragende Sängerin Linda Ever, seine Ehefrau, von der er sich im vergangenen Jahr trennte. Frank Wildhorn (46) hat zwei Söhne - Justin (19) und Jake Ryan (6). Das Musical Jekyll & Hyde schrieben Frank Wildhorn und Leslie Bricusse nach Motiven des Romans Der seltsame Fall des Doktor Jekyll und des Herrn Hyde von Robert Luis Stevenson. Die Welturaufführung fand 1990 in Houston statt. Sieben Jahre später erschien das Musical am Broadway. Die unlängst im Prager Kongresszentrum aufgeführte tschechische Premiere wurde vom Musiktheater Karlín vorbereitet.