Immer auf der Hut - Es war kein einfaches Gespräch, und es erfuhr während der Autorisierung zahlreiche Veränderungen. „Ich muss auf der Hut sein und ständig überlegen, was mir der Markt morgen sagen wird,“ verriet Karel Gott. Er bekannte gleichfalls seine Überzeugung, dass er während der kommunistischen Diktatur „ein kleines Licht in der Dunkelheit“ symbolisierte, und betonte seinen Wunsch nach einer Beerdigung in „absoluter Bescheidenheit“.

Wir sitzen in einem halbleeren Restaurant. Hat die Finanzkrise auch Sie persönlich in Bedrängnis gebracht?
Persönlich nicht. Bis jetzt. Ich glaube niemanden von uns. Ich begegne vielen Menschen – das werden Sie mir sicher glauben – und die unterhalten sich darüber, was sie sich gerade gekauft haben, wohin sie in den Urlaub fahren und welches Auto sie sich anschaffen. Wenn ich zum Einkaufszentrum fahre, ist dort kein Platz zum Parken. Alle kaufen ein! Die Krise ist nur ein medialer Popanz. Zu Entlassungen von Arbeitnehmern, worüber wir ständig lesen, wäre es auch ohne die sogenannte Krise gekommen. So ist das immer im Kapitalismus. Wir alle wissen, dass die unmoralischen Hasardeure in den Bankhäusern, welche die Weltwirtschaft beherrschen, die ganze Situation verschuldet haben. Die erzeugten ein künstliches Wachstum und arbeiteten mit nicht vorhandenem Geld. Oder was macht der Staat? Er druckt noch mehr Geld.

Und kurbelt die Inflation an.
Freilich. Und das ist der Beginn der Inflation, wobei die „Krise“ dadurch nicht gebannt ist. Und was macht der Staat weiter? Es ist wie beim Hasard: Wenn ich verloren habe, muss ich verdoppeln! Also muss der Staat ihnen in seinem eigenen Interesse Geld leihen. Also leiht er. Und die Hasardeure bedienen sich. Sie erhalten Injektionen vom Staat, um die Dinge voranzutreiben, aber anstelle dessen erhöhen sie sich die Löhne und Prämien um zwanzig Prozent. Wenn ich die riesige Geldmenge sehe, welche die mächtigsten Volkswirtschaften der Welt drucken, kommt mir der Gedanke, ob die Absicht nicht darin besteht, die Währungen und damit auch die Schulden zu entwerten. Wir alle wissen doch, wer am mächtigsten ist (K. G. meint die USA, Bemerkung der Redaktion). Soviel zu dem, was geschehen ist. Gerne würde ich sie noch darauf hinweisen, dass ich ein Kriegskind bin. Ich habe erlebt, was eine wirkliche Krise bedeutet. Krieg, Hunger, Lebensmittelkarten. Das, was wir heute erleben, ist ganz sicher keine Krise. Aber für manches muss die Krise als Argument herhalten. Die Tatsache, dass es immer mehr reiche Leute gibt, zeugt klar vom Gegenteil des Eindrucks, den die Menschen von der gegenwärtigen „Krise“ haben. Nur, wenn es mehr Reiche gibt, was bedeutet das? Die ganze anknüpfende Infrastruktur muss sich in Bewegung setzen, ansonsten nützt ihnen der Reichtum nichts...

Vor einigen Tagen erzählte mir Vratislav Brabenec von der Gruppe Plastic People of the Universe, wie seine Familie 1953 am Tag vor der Währungsreform ein paar tausend Kronen ausgeben wollte, welche sie zu Hause gefunden hatten und es nichts zu kaufen gab. Das gilt also in verschiedenen Situationen.
Ja, sie haben Geld, um es für etwas auszugeben. Um den Reichtum nutzen zu können, brauchen man die Mittel dazu – ein Auto, eine Wohnung, kurz alles, was einen glücklich macht... Und jetzt sind wir an einem Punkt, an dem die heutige Zeit scheitern oder welcher uns im Gegenteil retten kann: Ich glaube an neue Erfindungen, an neue Energien, die den Menschen automatisch neue Arbeitsgelegenheiten geben. So wie sich die Dinge in Bewegung setzten, als die Dampfmaschine erfunden wurde. Wir könnten darüber stundenlang reden, aber ich möchte in unserer Branche bleiben. Überall, wo es eine Industriekonjunktur gibt, entsteht auch eine ganze Infrastruktur, die Unterhaltungsindustrie eingeschlossen. Als in Detroit die Automobilindustrie boomte, wurde dort die Plattenfirma Motown gegründet, welche Künstler wie Diana Ross, Stevie Wonder oder die Jackson Five hervorbrachte. Wissen Sie, wie viele phantastische Produktionen dort in dieser Zeit entstanden sind? Der riesige Industriekoloss benötigt, dass die Menschen unterhalten werden – mit Musik, Shows, Produktionen, Sport... In Amerika existieren ganze Institutionen, die sich ausschließlich damit beschäftigen, wie man Menschen unterhalten kann, dass sie nur nicht einfach nach Hause kommen, auf das Abendessen warten und dann schlafen gehen!

Berührt die Krise auch das Showbusiness?
Der englische Sänger Cliff Richard, mein Altersgenosse, meinte einmal: „Wer sich nicht an die Marktveränderungen anpasst, muss das Musikgeschäft bleiben lassen.“ Ich denke das gleiche. Es darf uns nicht traurig stimmen, wenn die CDs sich nicht verkaufen.

Aber ihre verkaufen sich.
Ich kann mich nicht beschwerden, aber das bedeutet nicht, dass ich der Gewinner bin. Wir fühlen alle, dass unsere Branche wirklich an der Endstation angekommen ist, wenn für fünftausend verkaufte CDs Goldene Schallplatten vergeben werden. Es muss nicht mehr lange dauern und die Plattenfirmen werden sagen: „Die Produktion zahlt sich für uns nicht mehr aus. Ihr habt die Konzerthonorare, aber wir haben keinen Rückfluss.“ Es bleibt eine einzige Möglichkeit: Alle Produkte um den Sänger herum, in einem Paket zu bündeln, damit alle daran verdienen, also Die Musikproduktion mit der Konzertpromotion und der Herstellung der Werbematerialien usw. zu verbinden.

Und die Leute kaufen sich dann zur Eintrittskarte auch die CD.
Zum Beispiel. Alles muss unter ein Dach kommen. Das Zauberwort lautet: Merchandising. T-Shirts, Mützen, alles... Die Leute gehen zum Konzert, um den Sänger anzufassen. Das ist das, was uns über Wasser hält! Ich muss bei der Autogrammstunde gefällig sein, auch wenn ich noch so müde bin. Und bei der Gelegenheit sagen sich dann die Leute: „Schau mal, ich kaufe mir eine CD. Ich kaufe mir ein T-Shirt. Und ich lasse mir das von ihm signieren.“ An dem Ergebnis dieser globalen Dienstleistung werden sich alle beteiligen. Alle brauchen sich gegenseitig.

Das erinnert an ein großes Einkaufszentrum, wo sie alles einkaufen, von der Kleidung bis zum Auto, und essen tun sie dort auch noch.
Ja, es ist ein ähnliches Prinzip. Das habe ich gleich nach der friedlichen Revolution begriffen, daher hat mich der Kapitalismus nicht überrascht. Ich habe gelernt, die Dinge so zu machen, dass ich mich für meine Kunst nicht schämen muss und gleichzeitig kommerziell sein kann. Darum gründete ich zusammen mit František Janeèek sofort eine Agentur, die genauso vorging. Wir haben das alles alleine gemacht, wir waren die ersten.

Václav Klaus hat ja auch im Vorwort ihres Buches geschrieben, dass sie es im Unterschied zu anderen schafften, die Regimeänderung schnell zu bewältigen und dass sie nie staatliche Unterstützung wollten.
Unter dem neuen Regime hatten wir wirklich populären Sänger nie das Gefühl, dass wir um staatliche Unterstützung bitten sollten. Weil wir uns unseren Unterhalt selber verdienten. Aber es gibt viel experimentelle Kunst, die Unterstützung benötigt, ansonsten wird nichts neues entstehen. Dazu gibt es Kommissionen, damit sie entscheiden, welche Kunst subventioniert werden soll. Ich dagegen muss bereit sein, meine Meinung und Strategie bezüglich des Verhaltens auf dem unerbittlichen Markt zu ändern. Ich muss auf der Hut sein und ständig überlegen, was mir der Markt morgen sagen wird. Wo der Platz für meinen Stand sein wird, und was ich dort anbieten werde. Und ich muss auch über das Repertoire nachdenken. Vor allem darf man nicht erstarren. Darum treffe ich mich mit Künstlern, von denen sie sagen würden, dass ihre Zusammenarbeit mit Karel Gott gar nicht funktionieren kann.

Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem deutschen Raper Bushido…
Ja. Ich kann nicht mehr singen „Wenn der Mond in den Himmel steigt und der sanfte Abendwind die Blätter der Bäume säuseln lässt, mein Schatz...“ Das überrascht heute niemanden mehr. Aber beachten sie, das heutzutage provokative Stücke, die einen zum Nachdenken zwingen, die Anstöße geben, zu Hits werden. Und eben dieses Anstoßen, das ist das Gesetz Marktes! Das schreit in die Welt hinaus. Was ist Werbung? Ein Schrei!

Wie hat das ausgesehen, als sie darüber nachdachten, wie man zum Idol werden kann?
Je nachdem, in welcher Lebensphase ich mich befand. Als Junge wollte ich Schauspieler werden. Von klein an war ich Kinofan, in einige Filme ging ich mehrmals. Die Eltern wunderten sich, warum ich zum dritten Mal in den gleichen Film gehe, aber ich wusste warum: ich studierte, worin die Magie der Männer, die auf Frauen wirken, besteht. Und ich probierte an den Mädchen in der Schule sofort die charmanten Redewendungen berühmter Schauspieler wie Clark Gable und Oldøich Nový aus. Als die unverkrampfte Musik aus dem Westen zu uns kam, kaufte ich verständlicherweise eine Gitarre und wollte Elvis sein. Ich wollte mich auch so bewegen wie Elvis. Es hat mich meine Hüfte gekostet, aber das war es wert!

Manchmal werden sie „Göttlicher Karel“ genannt. Was ist ihrer Meinung nach der Grund?
Ich meine... Aber nein, ein Sänger soll nicht meinen. Ein Sänger kann über sich im Geheimen nachdenken. Wer romantische Lieder und Liebeserklärungen an die Schönheit der Frau singt sollte ätherisch und ungreifbar sein. Auch wenn ich das Rezept kennen würde, würde ich es nicht verraten.

Erst mit Neunundsechzig wurden sie von einer Frau eingefangen.
Ich hörte wohl auf ätherisch zu sein und landete auf der Erde. Alle die mich kannten, haben den Kopf geschüttelt.

Hat ihnen irgendwann irgendein weiblicher Fan Vorhaltungen bezüglich der Heirat gemacht?
Nein. Zu meiner großen Überraschung schreibt man mir in allen Briefen und ruft man mir auf Konzerten zu: „Das haben sie gut gemacht! Das haben sie verdient! Wir bewundern sie dafür!“ Sie sehen mich nicht mehr als Idol, mit dem sie eine Bekanntschaft eingehen und eine Romanze erleben wollen. „Es wurde Zeit,“ steht in den Briefen. Kein: „Wir haben sie verloren und sie gehören uns nicht mehr!“ Nicht einmal schrieb mir ein Fan: „Du bist nicht mehr mein.“

Tut ihnen das nicht leid?
Nein. Ich denke ja auch, dass es Zeit wurde. Alles hat seine Zeit. Früher war ich für das Familienleben nicht reif genug. Meine ganze Energie habe ich der Karriere gewidmet, und so war ich sehr gefesselt durch die Sehnsucht, den internationalen Durchbruch zu schaffen. Die Ehe hielt ich für einen Störfaktor, der mir die nötige Zeit und Energie nehmen würde.

Haben die beiden älteren Töchter ihnen das nie vorgeworfen?
Die ältere Tochter, Dominika, sagt immer: „Vati, Kája, ich bin stolz auf dich wegen dem, was du erreicht hast, auch wenn mich deine Musik nicht unbedingt mitreißt.“ Sie ist nämlich very heavy. Sie hört sich Sachen wie Motörhead, Metallica und ACDC an. Die jüngere Lucie drückt sich anders aus: „Ich bin dir dankbar für das, was ich alles von dir bekommen habe. Du hast mir die Wohnung eingerichtet, meiner Mutti hast du ein Auto gekauft. Aber eins habe ich von dir nicht bekommen: Mehr Zeit für mich.“

Apropos, angeblich werden sie einen Enkel bekommen. Ich gratuliere!
Danke. Ich werde erst nach der Geburt feiern. Aus Aberglauben.

Vielleicht wird ihm ja ihr Talent in die Wiege gelegt.
Das ist möglich, man sagt, dass sich einige Dinge über die Generationen vererben. Aber ich würde ihm diese Branche ausreden.

Warum? Sind sie nicht glücklich?
Ich bin superglücklich, dass ich schon ein Superstar bin und diese schöne Zeit hinter mir habe. Jetzt ist es so, dass die Werbung immer allgegenwärtiger wird. Die ganze Musik aus dem Radio hat nur noch die Aufgabe, die Zeit zwischen den einzelnen Werbeblöcken zu füllen.

Das klingt schrecklich.
So ist es eigentlich seit jeher, nur nannte man die Sponsoren früher Mäzene. Und ein Mäzen konnte zum Beispiel auch ein Herrscher sein. Oder nehmen sie, wie viele Maler von reichen Kaufmännern ausgehalten wurden, Rubens zum Beispiel. Der hatte seine Idee und die Schüler haben ihm das fertig gemalt. Die haben schon Handwerk betrieben.

Kann man sagen, wie viel ihnen eine Tournee einbringt?
Eine Zahl zu nennen, ist nicht möglich. Aber glauben sie mir, ohne Sponsoren ist es ausgeschlossen, an einer Tournee zu verdienen. Die Kosten, einschließlich der Versicherung, sind enorm.

Haben sie auch die Stimmbänder versichert?
Die Stimmbändern versichert ihnen niemand. Obwohl sie einen ernähren.

Wie hoch waren die Honorare in der Zeit der Diktatur?
Ich hatte das Glück, dass ich in die erste Kategorie eingeordnet wurde, für ein Konzert in einer vollen Halle vor einigen tausend Menschen bekam ich somit sechshundert Kronen! Aber aufgepasst, als ich den Titel „Verdienter Künstler“ erhalten hatte, begannen sie mir zwölfhundert zu zahlen!

Wie viel bekamen sie als „Nationalkünstler“?
Nun, das war noch besser. Sechzehnhundert!

Welche Einkünfte hatten sie damals aus dem Plattenverkauf?
Vernachlässigbar kleine. Freilich, wenn Dean Reed zu uns fuhr, der in der DDR lebende Kämpfer gegen den Imperialismus, wollte er seine Honorare in Dollar haben. Und ich? Als ich 1975 in der Sowjetunion das erste Album aufnahm, wurden dort fünf Millionen Exemplare verkauft. Wissen sie, was das heute bedeuten würde? Wie viel ich bekäme? Aber damals zahlten sie mir nur zweihundert Rubel pro Lied! Ob die Platte sich verkauft oder nicht war völlig egal. Das Honorar war immer das gleiche. Überdies erhielt ich dort erst vor fünf Jahren eine Goldene Schallplatte. Auf der Bühne im Kremlhof erklärten mir die Vertreter der Plattenfirma Melodie nach dreißig Jahren, dass sie mir damals keine Goldene oder Platinschallplatte geben durften, weil das angeblich eine Verherrlichung des Marktes gewesen wäre.

Was haben sie ihnen geantwortet?
Ich habe sie getröstet, dass sie sich daraus nichts machen sollen, dass ich das von zu Hause kenne. Die Hauptsache war „nicht den Markt zu verherrlichen“! Das meistverkaufte Album meiner Karriere - Vánoce ve zlaté Praze – wurde insgesamt 1 400 000 Mal verkauft – da jedes Jahr Weihnachten ist. Dabei sind auf der Platte viele Kirchlieder - Ave verum corpus, Ave Maria... Oder die Ideologen befahlen Supraphon: „Verkauft, aber im Stillen. Verherrlicht nicht den kirchlichen Feiertag, verherrlicht nicht den Markt.“ Darum bekam ich dafür nie eine Golden Schallplatte. Aber ich weiß, dass ich von denen, die sich das Album angehört haben, sehr gut verstanden wurde. Die Platte kam im Jahr 1969 heraus, als uns die Freiheit genommen wurde, und wurde zu einem Symbol des stillen Widerstands. Sie brachte spirituelle Versenkung in einer Zeit, in der man über Spiritualität nicht reden durfte.

Entschuldigen Sie, aber sie erinnern mich an Václav Klaus, der in der Wochenendbeilage der Zeitung Lidové noviny verkündete, er sei der größte Kämpfer gegen die kommunistische Ideologie in diesem Land gewesen.
Das hat er ernsthaft gesagt? Aber wissen sie, er in seiner Funktion als Prognostiker hatte gegen die Kommunisten einen direkten Hebel – im Unterschied zum Beispiel zu jemandem, der nicht schreiben durfte. So wie der Protest des Sängers, den man nicht auf die Bühne lässt, aufhört wirksam zu sein.

Jetzt treten sie aber ein wenig, zum Beispiel in Richtung Marta Kubišová.
Ich trete nicht. Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Sie wurde zur Märtyrerin, weil die Menschen durch ihr Schicksal erfuhren, was für Praktiken die Partei anwendete. Die Kommunisten waren sich dessen bewusst, und versuchten daher, sie zur Rückkehr zu überreden. Sie kamen zu ihr; sie bekam doch ein Angebot, dass sie langsam anfangen könne zu singen. Sie sagten ihr: „Wir könnten uns einigen.“ Aber Marta antwortete ihnen: „Seien sie nicht böse, ich habe mich schon entschieden, dass ich ein anderes Leben führen werde.“ Und sie war zu nichts mehr zu bewegen. Eigentlich hat das Regime sie berühmt gemacht, indem es aus ihr eine Jeanne d’Arc machte! Und die Leute haben das nicht vergessen. Marta hat sich während ihres Lebens ein eigenes Denkmal errichtet. Darum bemühe ich mich auch, aber danach ist es mir dann egal. Bestattet werden möchte ich in absoluter Bescheidenheit. Ich möchte wirklich ein ganz kleines Grab haben.

Wofür sind sie denn, ihrer Meinung nach, ein Symbol?
Je nachdem, wie man es nimmt. Wenn sie aber die Zeit der Normalisierung als Zeit der Finsternis bezeichnen wollen, dann waren wir Sänger, denen es gelang, die Menschen in dieser Zeit wenigstens für eine Weile mit einem Lied zu erfreuen, ein kleines Licht in der Finsternis. Wie Komenský es ausdrückte: Lux in tenebris. Gerne würde ich es mit den Worten sagen, die der phänomenale deutsche Promoter Herr Rau verwendet hat: „Als ich sein Konzert in der Prager Sporthalle sah, wurde mir bewusst, was zu seiner lang anhaltenden Beliebtheit in der Tschechoslowakei gehört – in Zeiten, als zwischen Ost und West nicht die besten Beziehungen herrschten, blieb Karel seinem Land und seinem Publikum treu und machte es mit dem Besten bekannt, was die internationale Popmusik hervorbrachte. Ich halte das nicht nur für eine kulturelle, sondern auch für eine hochpolitische Tat.“

Was war ihrer Meinung nach während der Normalisierung besser?
Wissen sie, was besser war? Als sie uns die Zügel lockerten und zuließen, dass wir doch ein bisschen Spaß haben und eine Musik machen konnten, die einen Hauch von Welt atmete und wir das Gefühl hatten, dass es besser wird. Aber das kann mir doch niemand übelnehmen!

Heute denken sie, dass es nicht mehr besser wird?
Also gut. Ich werde es anders sagen. Damals hatten wir das Gefühl, dass es besser wird. Und wenn nicht, hatten wir die Hoffnung, irgendwohin emigrieren zu können. In der gegenwärtigen Situation können wir in zwei Richtungen gehen. Das wird entweder der pragmatische Weg sein, also Erfindungen, technische Wunder und neue Impulse, wovon ich schon gesprochen habe. Oder wir gehen den Weg der Spiritualität. Daran wird wohl etwas sein, wenn aus sehr anerkannten Quellen die Vision der sogenannten „kollektiven Reorganisation des menschlichen Bewusstseins“ kommt. Das bedeutet die Beschleunigung der evolutionären Entwicklung und das Aufnehmen einer Verbindung mit dem Elektromagnetfeld der Erde. Und diese Quellen sagen, dass ausreichend offene Menschen, die Chance haben, sich mit der sogenannten universellen Intelligenz in Verbindung zu setzen...

Ich verstehe sie nicht. Wie viel Zeit haben sie? Erklären kann ich es. Aber verstehen tue ich es auch nicht.