Gott: Manchmal schiebe ich sie ein! Svoboda: Die Höhen! Endlich! Die beiden "BIG Karels", welche große Freunde sind, haben das Album ihres Lebens herausgebracht. Auf den Verkaufspulten erscheint in diesen Tagen die CD "Jdi za štìstím...", auf welcher Karel Gott die Hits von Karel Svoboda singt. Das sind alte Schlager in neuen Gewändern, arrangiert unter der Leitung von Jiøí Škorpík in Karel Svobodas Jevaner Studio. "Ich glaube, daß mir und Karel zusammen nichts besseres mehr gelingen wird," sagt Svoboda, der für Karel Gott 80 Kompositionen geschrieben hat. Die erste war das berühmte Lied "Lady Carneval". Man schrieb damals das Jahr 1968 und seit dieser Zeit sind die beiden Karels unzertrennliche Freunde. Die beiden überliessen alles der Verantwortung von Jiøí Škorpík. "Einige Sachen von mir hätte ich nicht mehr umändern können - alles von Grund auf ändern und die Struktur zerstören," sagt Svoboda, nach dessen Aussage die Melodie, die Harmonie geblieben ist und Gott sich dem neuen Arrangement ohne Proteste angepasst hat. "Er adaptierte sich hervorragend und sang ganz einfach, manchmal sehr darauf bedacht auf dem Boden zu bleiben. Er vermied seine Höhen, jeder weiß, daß er sie kann. Umgekehrt, er ging tiefer, bis in die hohe Baritonlage. Nur in einigen Kompositionen nutzte er den Umfang seiner Tenorstimme. Damit niemand auf den Gedanken kommt, daß er das nicht mehr kann," schmunzelt Svoboda. Und Gott stimmt ihm zu: "Ich begann bei mir neue Farben der Stimme zu entdecken. Und die sind mir persönlich angenehmer als die, welche mir die größte Popularität eingebracht haben. Damals dachten wir, daß der Zuhörer nicht zufrieden sein wird, wenn der Tenor nicht die Höhen singt. Für mich ist jetzt die Farbe wirklich wichtiger, die eine intime, streichelnde, vielleicht sogar erotische Note bekommt. Die "Höhen" zeige ich nur manchmal, damit nicht zufällig jemand sagt: Der Gott hat sie nicht mehr drauf."
Karel Svoboda kommentiert die Lieder:
Téma na román (Text: Karel Šíp)
"Also, dieses war ursprünglich ein sehr langsames romantisches Lied, im neuen Arrangement wird es aber lateinamerikanisch interpretiert. Die Technik hat es völlig verändert."
Kam se schoulíš (Text: Eduard Kreèmar) )
"Mit Eduard Kreèmar zusammen habe ich als Musikant angefangen und wir wollten die sechziger Jahre in Erinnerung rufen. Daher die Triolen, welche auch im Text sind. Es ist ein sogenanntes Triolenlied. Heute nennt man die langsamen Lieder "Befruchter". Also das ist so ein Befruchter und Karel singt auch in der neuen Fassung im Stil der sechziger Jahre, was immer eine seine Stärken war."
Kakaová (Text: Karel Šíp)
"Das Lied entstand zu einer Zeit, in welcher Karel in die farbige Manuela verliebt war, welche er in der kanadischen Botschaft kennengelernt hatte. Mir und Karel Šíp hat das keine Ruhe gelassen und wir haben uns gesagt, daß wir seine "Kakaoliebe" vertonen und aus dem Text so eine sanfte Parodie machen müssen. Die Kritik hat uns damals nicht verstanden und uns verleumdet, wir hätten das Lied stilistisch geschändet, es sei eine Art tschechisches Lateinamerika entstanden. So und jetzt sollen sich die Herren Kritiker das Lied anhören. Es ist optimistisch gestimmt, großartig realisiert und ich hätte keine Angst damit auf Welttournee zu gehen."
Já toužím po životì (Text: Jiøí Štaidl)
"Das Lied entstand in einer leicht alkoholischen Stimmung, als ich mit Jiøí Štaidl in Jevany auf dem Rasen lag und einen Fischteich beobachtete. Und wir fingen an über das Leben nachzudenken. Das Lied enthält eigentlich alles, was mir im Leben nachher zugestoßen ist. Ich wurde zum Dorfmenschen wie es im Text steht: "Ich sehne mich nach einem Leben irgendwo wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen." In Jevany sagen sich nun nicht grade Fuchs und Hase gute Nacht, aber ich habe Natur um mich herum.
Lady Carneval (Text: Jiøí Štaidl)
"Für Karel ein schicksalhaftes Lied, welches nicht nur einen Preis in Rio de Janeiro erhielt, sondern auch die deutsche Hitparade auf der ganzen Linie gewann. Karel hat es die ganzen Jahre über nie aus seinem Repertoire genommen und singt es sozusagen zwischendurch. Mir hat es natürlich geholfen meine Position als Komponist auf dem deutschen Markt zu festigen. Wir waren alle arme Jungs und wollten uns die Welt anschauen. Karel bekam eine Idee: "Schreibt mir ein Lied und wir schauen uns Rio an." Ich und Jiøí Štaidl sagten sofort ja und fingen an nachzudenken. Um 8 Uhr Abends rief Karel an und wir logen ihn an, daß wir schon ein Lied haben und sogar in einem tollen lateinamerikanischen Rythmus. Wir kauften uns einen Liter Schnaps in der Annahme, daß uns das helfen werde. Bis heute behauptet Karel überall, daß wir nicht getrunken haben. Da irrt er sich aber gewaltig. Wir tranken und das war gut so. Auf einmal sagte Jirka zwei Worte: Lady Carneval. Ich setzte mich ans Klavier und in zehn Minuten war alles fertig. Und es wurde ein echter Schlager daraus, da das Lied eine starke Passage hat, welche für immer im Kopf hängen bleibt. Es besitzt auch einen starken Text, der wie ein Streichholz wirkt. Das Lied wurde bis jetzt in 36 Sprachen übersetzt und ich wünschte mir Sie könnten es auf ungarisch hören, das ist immer sehr unterhaltsam.
Konec ptaèích árií (Text: Jiøí Štaidl)
"Als Jirka Štaidl den Text schrieb war es, als ob er das Ende fühlen würde, welches dann 1973 mit dem tragischen Autounfall kam. Von diesem Lied ging von Anfang an eine Trauer aus. Ich und Karel, wir haben beide eine von Herzen kommende Beziehung zu diesem Lied, es war so eine Art Vorahnung. Speziell diese neue Version des Liedes wurde einfach großartig arrangiert, wobei die wortlose Stimme von Nadi Wepperová die Trauer noch verstärkt und trotzdem daraus nichts depressives macht."
Pùlnoc v motelu Stop (Text: Karel Šíp)
"Also das ist eine große Überraschung. Der Arrangeur hat Technopopelemente verwendet, was bei Karel eigentlich nicht vorkommt. Allerdings hat sich der nicht gewehrt und ich denke, daß er richtig gehandelt hat. Nach meiner Meinung hat das Stück in Discos eine Chance.
Jdi za štìstím (Text: Zdenìk Borovec)
"Dieses Stück schrieb ich speziell für Karel, als er 1977 nach Tokyo zum Festival fuhr. Die Reise werde ich im Leben nicht vergessen, das war noch mitten in der Zeit des kommunistischen Regimes und wir reisten vielleicht vier Tage. Die Lied hat schließlich gepunktet, vielleicht auch weil Karel zum Publikum japanisch geredet hat. Das gelang ihm blendend, da die Japaner, wenn sie reden eigentlich singen. Wir besuchten auch ein türkisches Bad. Die Geishas massierten uns, und als sie sich unseren Intimbereichen näherten fragten sie uns herausfordernd mit den Augen: "Sollen wir weitermachen?" Ich schrie "No!", Karel "Yes!". Was dann passierte weiß ich nicht, da Karel von mir durch einen Wandschirm getrennt war."
Mistrál (Text: Jiøí Štaidl)
"Das Lied Mistrál wird in seiner alten Version häufig in Bierstuben gespielt. Einmal wollte man, daß Karel etwas singt und bat: "Herr Gott, singen Sie für uns das Lied MISTRÁK (Meisterschaftskampf)."
Mùj déš (Text: Zdenìk Borovec)
"Dieses Lied war nicht so ein Superhit. Aber auch nach all den Jahren muß man sich nicht für dieses Stück schämen. Es wurde vom Arrangeur ausgewählt, da man es modernisieren konnte."
Z mé cigarety (Text: Michal Bukoviè)
"Also dieses Stück gefällt mir sehr. Es ist für mich das Lied eines reifen Menschen, der raucht, sich eine Zigarette nimmt und ich glaube ihm alles was im Text steht. Ein gereifter Barde, der weiß wovon er singt. Das ist tatsächlich der gegenwärtige Karel Gott. Dieses neu arrangierte Lied würde einen Supervideoclip abgeben."
Nápoj lásky (Text: F. Ringo Èech)
"Diese Komposition mit ihrem fröhlichen Text ist eine hervorragende Auflockerung für einige ernste Texte auf dem Album. Und bildet einen lustigen Abschluss der 12 Coverversionen. Registrieren Sie bitte die Tatsache, daß einige unserer großen Hits auf diesem Album fehlen, da sie nicht in ein neues Gewand passen. Bei den ältesten hat sich das Rad der Musikmode, welche immer wieder zu ihrem Ausgangspunkten zurückkehrt, schon so weit gedreht, daß es nach all diesen Jahren möglich wurde."