KAREL GOTTS „ROMANTIKA“ ERSTMALIG AUF CD
Im Mai 2005, dem Monat der Liebe, wird Supraphon das Karel-Gott-Album Romantika aus dem Jahre 1978 zum ersten Mal als CD herausbringen. Es handelt sich um eines der dramaturgisch saubersten Alben des Sängers, dem der Zahn der Zeit nichts anhaben konnte, und steht daher in einer Reihe mit dem Album Vánoce ve zlaté Praze aus dem Jahre 1969. Die Fans von Karel Gott (und nicht nur diese) fordern schon geraume Zeit die Wiederauflage des Albums Romantika als Remasterversion. Auch der Sänger selbst freut sich außerordentlich auf die Romantika-CD. Daher fragten wir ihn gleich zu Beginn unseres Gesprächs:

Was fällt Ihnen zum Wort Romantika ein ?

Vor allem ein nicht nur meiner Meinung nach sehr gelungenes Album. Man merkt, daß bei der Aufnahme dieser LP im Mozarteum, dem Aufnahmestudio der Firma Supraphon, eine herrliche, inspirative Atmosphäre herrschte. Auch 27 Jahre nach der Entstehung bin ich stolz auf dieses Album. Und glauben Sie mir, daß kann ich nicht von allen meinen Alben sagen, die ich während meiner vierzigjährigen Karriere aufgenommen habe. Für mich hat dieses Album bis heute nichts von seinem Zauber verloren, und ich würde mich sehr freuen, wenn es seinen Zuhörern auch im 21. Jahrhundert einzigartige Augenblicke des Friedens und der Liebe bringen würde.

Wer hatte die Idee, solch ein Album zu machen?

Eigentlich begann alles in Tokio im Jahr 1974, wo ich auf dem internationalen Popmusikfestival der Firma Yamaha den Kirschblütenpreis für die Interpretation des Lides "A láska má kde kvést" der Autoren Karel Svoboda und Zdenìk Borovec bekam. Bei dieser Gelegenheit brachte die führende japanische Plattenfirma Nippon Columbia, die nicht nur E-Musikaufnahmen von Supraphon in ihren Katalog übernahm, sondern auch viele selber inizierte, mein Album "Poklady minulosti" heraus, welches ich 1972 für die deutsche Firma Polydor aufgenommen hatte. Auf diesem hatte ich in deutscher Sprache klassische Melodien gesungen, die bisher nur in der Orchesterversion bekannt gewesen waren. Es handelte sich um Werke von Verdi, Tschaikowski, Bach, Albinoni, Rimsky-Korsakow, Mozart, Schuhmann und Vivaldi. Drei Jahre später, also im Jahre 1977, wurde aus 1500 Liedern aus 45 Ländern das Lied "Jdi za štìstím" von Karel Svoboda und Zdenìk Borovec für das nächste Yamahafestival ausgewählt und ich begab mich erneut nach Tokio, um den Preis für eine herausragende künstlerische Darbietung abzuholen. Die Vertreter der japanischen Plattenfirma Nippon Columbia hatten meine Teilnahme am Festival aber davon abhängig gemacht, dass in der Zeit meines Japanaufenthaltes ein in englisch gesungenes Album von mir in Japan auf dem Markt ist, damit ich es persönlich den Zuschauern des japanischen Fernsehens und den Zuhörern des japanischen Rundfunks vorstellen kann. Und so begann im Herbst 1977 im Mozarteum, dem Studio der Firma Supraphon, die Aufnahme der englischen Version des Albums "Romantika", die dann in Japan unter dem Namen "Go In Search Of Happiness" (das war nämlich der Titel der englischen Version des Liedes "Jdi za štìstím") verkauft wurde und die dann unsere Außenhandelsfirma Artia in ihren Katalog übernahm und unter dem Namen "My Romantic Feeling" exportierte. Im gleichen Jahr gab die damalige ostdeutsche Plattenfirma Amiga das Album unter dem Namen "Amore Mio" heraus.

Ist es wahr, daß Romantika das erste Album war, bei dessen Vorbereitung es Zusammenarbeit mit Dr. František Janeèek kam?

Das stimmt. Da aber damals die Funktion des Produzenten nicht gut gelitten war und Supraphon sie sogar abschaffen mußte, stand Františeks Name auf dem Cover unter der Bezeichnung "künstlerische Zusammenarbeit".

Worum ging es Ihnen bei der Arbeit an diesem Album?

Wir bemühten uns für das Album Lieder auszuwählen, die das romantische Empfinden der zweiten Hälfte der siebziger Jahre zum Ausdruck brachten. Es ging uns nicht um irgendeine Nostalgie. Vielmehr waren wir bestrebt Lieder und Musik, entsprechend der romantischen Atmosphäre zu interpretieren, die uns damals umgab. Wir wollten dem Album eine einheitliche romantische Stimmung verleihen. Daher wählten wir für die Platte speziell für mich geschriebene Lieder oder international erfolgreiche Kompositionen aus, die in der Lage waren, eine angenehme, freundliche Atmosphäre zu erzeugen. Die richtige Stimmung für Augenblicke der Liebe und des Nachdenkens. Alle Lieder erhielten ein modernes Arrangement vom Klavieristen Rudolf Rokl, der wohl wie kein Zweiter in der Lage war, meine romantischen Vorstellungen musikalisch gefühlvoll umzusetzen. Das Album sang ich in Begleitung des großen Orchesters unter der Leitung von Ladislav Štaidl und Milivoj Uzelac. Štaidls Kapelle diente uns als Basis, zu welcher wir noch Streicher, Bläser und Chor hinzufügten.

Welche Lieder wurden damals für dieses Album ausgewählt?

Das Album eröffnet die Elton-John-Ballade "Your Song" aus dem Jahre 1969, zu welcher Pavel Kopta mit "Deštivý Den" einen seiner besten Texte geschrieben hat. Für den tschechischen Text des Liedes "Kdo z nás smí se vrátit" ist Zdenìk Borovec verantwortlich - mich faszinierte dieses Lied ("Could It Be Magic") in der Darbietung von Barry Manilow, welcher es 1975 nach Motiven des c-Moll-Präludiums von Frederic Chopin geschrieben hatte. Der Textautor Zdenìk Rytíø schrieb wiederum den schönen tschechischen Text "Teï už víš, že jsem to já" zum Lied von Wilfred "Blue" Lovett "Kiss And Say Goodbye", das ich im Repertoire der schwarzen Soulband Manhattans für mich entdeckt hatte. Es gelang uns den Schauspieler Jiøí Nìmeèek für ein Rezitativ zu diesem Lied zu engagieren und zusammen mit dem gemischten Vokalchor in der Zusammensetzung Jitka Zelenková, Jarmila Gerlová, Vlasta Kahovcová, Slávek Talián, Bohuslav Myslík und Josef "Bažík" Pavelka verlieh er diesem Lied eine einzigartige Atmosphäre.

Ich warte und warte, daß Sie anfangen über das Lied Kam tenkrát šel mùj bratr zu reden. Schließlich bewirkte dieses Lied, daß eines Ihrer besten Alben, wenn nicht gar Ihr bestes, praktisch keinerlei Reklame bekam, und es hat wirklich nicht viel gefehlt und die LP wäre von den Ladentischen der Plattengeschäfte verschwunden.

Bevor ich auf das von Ihnen angeschnittene Thema komme, würde ich gern erwähnen, daß ich das Lied "All By Myself" im Liederbuch des amerikanischen Komponisten, Sängers und Klavieristen Eric Carmen gefunden hatte. Eric Carmen hatte es nach Motiven des zweiten Klavierkonzertes von Sergej Rachmaninow geschrieben. Aber zurück zu Ihrer Frage. In der Zeit in der wir das Album "Romantika" aufnahmen, war es absolut undenkbar, daß ich auf irgendeinem Konzert im Inland das hervorragende Lied von Jaromír Klempíø und Jiøí Štaidl "Hej, páni konšelé" singe, für das ich im Jahre 1969 die Bratislaver Lyra in Bronze bekommen hatte. Ich wußte einfach, daß ich es nicht singen darf.

Warum? Hatte es Ihnen irgendjemand verboten?

Konkret nicht. Aber die Ideologen nach 1969 hatten sich das ganz geschickt ausgedacht. Schriftlich verboten sie gar nichts. Kein Lied und keinen Interpret. Niemand hat je ein Papier mit den Worten "Das verbieten wir!" oder "Darf nicht ins Fernsehen!" gesehen. Die Veranstalter wußten aber, wen sie engagieren dürfen und wen nicht, und wir lernten es eben zu begreifen. Dieses konkrete Lied mußte Supraphon sogar zurückziehen und verschrotten. Da wurde mir klar, daß ich nicht damit provozieren darf.

Als 1978 Ihr Album Romantika mit dem Lied Kam tenkrát šel mùj bratr Janherauskam waren die Leute angeblich der Meinung, daß Sie dieses Lied dem Andenken Jan Palachs gewidmet hatten.

Und so war es auch. So hatte sich das der Textautor Zdenìk Borovec auch ausgedacht. Natürlich fanden sich gleich Menschen die das anzeigten. Aber damals war die Situation viel schlimmer. Bei "Hej, páni konšelé" handelte es sich um eine Single, im Fall der "Romantika"-Platte ging es um ein ganzes Album und sein weiteres Schicksal. Überdies handelte es sich wirklich um ein gelungenes Album, eines meiner Schönsten, außerdem hatte es viel Geld gekostet. Die erste Auflage hatte ein Volumen von hundertfünfzigtausend Stück und alles sollte zurückgezogen werden. Zum Glück fanden sich einflußreiche Leute, die das Verschwinden der Platte verhinderten. Es wurden schließlich fast eine viertel Million „Romantika“-Alben verkauft.

Trotzdem kenne ich ein paar Leute, die bis heute nicht daran glauben, daß Sie im Jahre 1978 über Jan Palach gesungen haben.

Ich wußte nur, daß ich mit diesem Lied keinen Ärger auf der Bühne machen darf. Darum habe ich es auch nur einmal in der Fernsehshow "Karel Gott in der Lucerna" gesungen. Ich verzichtete sogar darauf weitere Lieder des "Romantika"-Albums öffentlich zu präsentieren. Ausnahmen bildeten nur das "Do re mi la" von Ladislav Štaidl und Michael Prostìjovský und das Traditional "Na rozlouèenou". Auf die Idee, eine tschechische Version dieses weltberühmten Evergreens zu machen, brachte mich eine meiner deutschen Singles, auf welcher ich im Jahre 1977 mit großem Chor und Orchester gerade dieses Lied, mit dem die Menschen in der ganzen angloamerikanischen Welt zu Silvester das ausgehende Jahr verabschieden, gesungen hatte. Ich darf auch nicht "Pár havraních copánkù" vergessen. Dieses Lied habe ich zwar schon in den Jahren 1964 und 1974 gesungen, aber als 1977 Elvis Presley unerwartet starb verschlug es mir wörtlich den Atem. Und so entschloss ich mich mit einer eigenen Version von "Love Me Tender", seines Hites aus dem Jahre 1956, diesem Giganten, einem meiner Lieblingssänger überhaupt, zu huldigen.

In diesem Jahr konnten die Radiohörer zum erstenmal das schon erwähnte Lied "Kam tenkrát šel mùj bratr Jan" in einer speziellen Radioversion hören. Wer hatte die Idee gerade dieses Lied speziell für die Rundfunkstationen aufzubereiten?

Der Musikpublizist Josef Vlèek, der unglaubliche Kenntnisse über die internationale und tschechische Popmusik hat und der genau weiß, welche Lieder eine Chance auf einen Erfolg im Radio haben. Das Lied "Kam tenkrát šel mùj bratr Jan" hält er für eines der romantischsten in meinem Repertoire und es hatte ihm schon immer leidgetan, daß es aufgrund seiner siebenminütigen Länge keine Chance hatte, im Radio gespielt zu werden. Er überzeugte mich, daß es Sinn macht, dieses Lied für das Radio auf eine annehmbare Länge zu kürzen. Mit blutendem Herzen verzichteten wir auf das herrliche Klaviersolo von Rudolf Rokl. Die "special radio version" des Liedes "Kam tenkrát šel mùj bratr Jan" hat Oldøich Slezák "auf dem Gewissen". Er kümmert um das Remastering der Mehrzahl meiner Supraphonaufnahmen, und ich muß sagen, daß er das wirklich glänzend macht.

Über welche Lieder aus dem Romantika-Album würden Sie gerne noch sprechen?

Die erste Seite des Albums schließt das Lied „Aria“ des italienischen Komponisten, Sängers und Klavieristen Daria Baldan Bemba ab. Mit Freude habe ich das auf dem Album befindliche Lied „Amore mio“ mit einem tschechischen Text von Jaroslav Machek gesungen, da es speziell für mich von meinem italienischen Freund und Komponisten Joe Sentieri geschrieben wurde. Mit diesem Lied punktete ich nicht nur in der westdeutschen Hitparade, seine Zuhörer fand es auch in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Und schließlich etwas aus Ihrem eigenen Repertoire.

Auf dem „Romantika“-Album sind auch zwei herrliche Melodien von Petr Hapka mit Texten von Zdenìk Borovec - „Lorelay“ und „Vším byl bych rád“. Es ist kaum bekannt, aber ich habe schon im Jahre 1964, als erster Sänger überhaupt, ein Lied aus der Autorenwerkstatt von Hapka gesungen. Das Lied nannte sich „Malá píseò“. Und als ich mir jetzt nach so vielen Jahren das „Romantika“-Album erneut anhörte, hatte ich große Lust die Lieder von Hapka live auf den Konzerten zu singen. Genau so ist es mit dem Lied von Karel Svoboda und Zdenìk Borovec „Až jednou“, in welchem ein lange Jahre erfolgreicher Sänger überlegt, was einmal sein wird, wenn sich niemand mehr für seine Lieder interessieren wird, und für ihn selbst auch nicht.

Finden die Plattenliebhaber auf der Romantika-CD irgendwelche interessanten Bonusse?

Ja und nein. Wir haben überlegt, was man als Bonus auf die CD packen können, denn wir hatten Angst, die beim Zuhören entstehende Atmosphäre zu stören. Auch wollten wir nicht die dramaturgische Klarheit gefährden. Darum finden die Plattenliebhaber auf der Romantika-CD einige englische Liedversionen von der Artie-LP „My Romantic Feeling“ (auf dieser befand sich nicht die englische Version des tschechischen Liedes Lorelay, welcher die Textautorin Felice Gordon den Namen „So In Love“ gab), vom japanischen Album „Go In Search Of Happiness“ und vom ostdeutschen Amiga-Album „Amore mio“.

Haben Sie später irgendwann einmal ein ähnlich konzipiertes Album aufgenommen?

Ja. Im Jahre 1984 und diese Supraphon-LP heißt „Hrátky s láskou“. Ich gehe davon aus, daß Supraphon auch sie in absehbarer Zeit als CD herausbringen wird. Auch dieses Album ist gelungen. Das wird dadurch bewiesen, daß ich Lieder von diesem Album, wie zum Beispiel „Lásko má“, „Hrátky s láskou“, „To musím zvládnout sám“, „Z dávných dnù“ oder „Jak ten proud“ von Zeit zu Zeit auf meinen Konzerten singe und aus den Reaktionen der Zuhörer und ihrem Applaus merke, daß sie diese musikalische Rückbesinnung erfreut. Aber sie wissen ja. In den gleichen Fluß kann man nicht noch einmal steigen. Daher ist für mich das Album „Romantika“ einzigartig und ich würde mich sehr freuen, wenn neue Zuhörer es für sich entdecken würden.

Ich danke für das Gespräch.
Jan Adam
(Der Autor ist Herausgeber der CD-Reihe Karel Gott Komplett und Redakteur der offiziellen Internetseiten von Karel Gott www.karelgott.com)