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Biographie

Das Weltphänomen Karel Gott

Er ist ein Phänomen, das in der Welt seines Gleichen sucht. Seit 1964, als Karel Gott das erste Mal die Umfrage "Goldene Nachtigall" gewann (ein Jahr zuvor hatte er in der gleichen Umfrage lediglich drei Stimmen erhalten und noch war keine Platte von ihm auf dem Markt), steht er unangefochten an der Spitze der tschechischen Popmusik. Ein so lang anhaltender Erfolg ist in der Welt der Unterhaltungsmusik wohl einmalig. Es gibt zum Stellenwert, den Karel Gott in seiner tschechischen Heimat erreicht hat, gegenwärtig keine Parallele. Was das Ausland angeht, so ist Karel Gott der einzige Vertreter der tschechischen Musikszene, der seit vielen Jahren in allen Ländern Mittel- und Osteuropas sowie in den deutschsprachigen Ländern anerkannt wird und der den Vergleich mit anderen ausländischen Stars nicht zu scheuen braucht. Während seiner langen Karriere ist Karel an vielen berühmten Orten aufgetreten - Las Vegas, Atlantic City, das Mekka der Countrymusik Nashville, die Carnegie Hall in New York, der Große Saal des Moskauer Kremls - alles Orte an denen sich nur die Besten der Besten präsentieren dürfen. Gotts Auftritt vor der Verbotenen Stadt in Peking sahen 1999 über 600 Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt! Da ist es schon Ironie des Schicksals, dass die tschechischen Sender kein Interesse für die vom ORF produzierte Fernsehübertragung zeigten.

Karel Gott wird am 14. Juli 1939 geboren. Ursprünglich will er Maler werden, doch diese Träume zerplatzen, als er sich fünfzehnjährig für die Prager Kunstgewerbeschule bewirbt und scheitert. Heute werden seine Bilder in vielen europäischen Metropolen ausgestellt (Prag, Berlin, Köln, Moskau, Wien, Bratislava). Nach diesem Misserfolg beginnt er eine Ausbildung zum Elektromonteur (zuerst in Cheb und später dann in Prag), doch bald zieht ihn die Musik und vor allem der Gesang in seinen Bann. 1958 nimmt er an dem im „Slawischen Haus“ stattfindenden Gesangswettbewerb "Neue Talente gesucht" teil, ohne Erfolg, denn die Expertenkommission lässt ihn mit Pauken und Trompeten durchfallen. Der Grund ist schlicht und ergreifend der, dass er anders singt als die Anderen. Er weiß es noch nicht, doch verkörpert er einen Musikstil, der das Gesicht der tschechischen Popmusik für immer verändern wird. In der folgenden Zeit tritt er immer häufiger in den Prager Jazzkaffees „Vltava“ und „Alfa“ auf. 1960 trifft Karel Gott eine Entscheidung fürs Leben. Er bricht die Ausbildung ab und absolviert die Aufnahmeprüfung für das Prager Konservatorium. Und er hat Glück, sein Lehrer, der Tenor Konstantin Karenin, ist nicht nur ein Schüler Schaljapins, sondern vor allem auch ein kluger und toleranter Pädagoge. Sehr früh bemerkt er, dass es Karel zum Jazz und zur Popmusik zieht. Also lehrt er nicht nur die klassische italienische Belcanto-Technik (von der er weiß, das sie Karel später einmal zugute kommen wird), sondern korrepetiert mit ihm auch die Hits der damaligen Zeit. Karenin erkennt die außergewöhnliche Stimme seines Schülers und kultiviert sie, in dem er Karel eine tadellose Gesangstechnik beibringt. So ausgestattet startet Karel Gott seine Zusammenarbeit mit den besten Orchestern des Landes, vor allem mit dem von Karel Krautgartner und Jozef Vobruba geleiteten Tschechoslowakischen Rundfunk. So ist es nicht verwunderlich, dass es das Tschechoslowakische Rundfunkorchester ist, mit welchem Karel Gott seine ersten Auslandstourneen durch Polen und die Sowjetunion unternimmt. 1963 bekommt er sein erstes Engagement im Theater „Semafor“. Das Autorenduo Jiří Suchý und Jiří Šlitr schreiben für ihn das Lied „Oči sněhem zaváté“, das sein erster großer Hit wird. Im Theater „Semafor“ lernt Karel die Štaidl-Brüder kennen, den Texter Jiří und den Musiker Ladislav. Mit ihnen zusammen gründet er 1965 das Theater „Apollo“. Im „Apollo“ beginnt Karel Gott selbst zu komponieren und hat Erfolg. Das Publikum und die Kritiker sind von der Variabilität seines Gesangs und der Breite seines Repertoires beeindruckt. Sehr früh setzt sich seine Gesangskunst, die auf dem Gebiet der Popmusik recht selten ist, im Ausland durch. Schon lange wird die tschechische Hauptstadt als „goldene Stadt“ bewundert, doch jetzt entsteht ein neuer Mythos - Karel Gott, die „goldene Stimme aus Prag“, der „Sinatra aus dem Osten“. Als 1967 in der französischen Stadt Cannes die Weltmesse der Plattenfirmen und des Musikverlages MIDEM stattfindet, ist Karel Gott die Sensation. So wird bei allen im Laufe des Festivals stattfindenden Konzerten die Lautstärke des Applauses gemessen. Während der Beifall für Tom Jones 58 Phon erreicht, überrascht Karel Gott als Neuling mit 54 Phon. Und die französische Presse bezeichnet den tschechischen Sänger am nächsten Tag nicht mehr als „erfolgversprechend“, sondern als „Naturphänomen aus dem Osten“. Im selben Jahr erhält er von der Firma Polydor (Deutsche Grammophon Gesellschaft) einen Plattenvertrag. Dieser Vertrag wird mehrmals verlängert und 1997 in einen lebenslänglichen Vertrag umgewandelt, ein auch im Weltmaßstab außergewöhnlicher Vertrauensbeweis. Ähnliche Verträge haben in Europa nur Peter Alexander und Udo Jürgens abgeschlossen. Insgesamt hat Polydor in den deutschsprachigen Ländern von 1967 bis 2000 mehr als 120 Alben und 75 Singles von Karel Gott herausgebracht. 2002 wechselt Polydor den Besitzer. Für Karel Gott bedeutet das, dass seine Platten ab jetzt von der Firma Universal, genauer von der Münchener Firma Koch Universal, herausgebracht werden. Koch Universal bringt das Album „Romantische Gefühle“, eine Kompilation seiner größten Hits, sowie 2003 das neue Album „Jede Nacht“ auf den Markt. Unterstrichen wird Karel Gotts dauerhafter Erfolg in den deutschsprachigen Ländern nicht zuletzt durch die Auszeichnung aus dem Jahre 2002, die Karel, dem „erfolgreichsten ausländischen Künstler“, vom deutschen Rundfunksender RPR verliehen wurde.

1967 erhält Karels künstlerische Entwicklung einen weiteren starken Impuls. Er reist nach Las Vegas, um im Mekka des amerikanischen Showbusiness eine siebenmonatige Tournee zu geben. Jeden Tag singt er im Frontier Hotel Las Vegas vor einem anderen Publikum. Sein Wissen und seine Erfahrungen werden mit den Programmen der größten Stars des Genres konfrontiert. Er trifft Frank Sinatra, Sammy Dawis Jr., Duke Elington und Cher. Er sammelt neue Anregungen und Inspirationen und ahnt damals sicher noch nicht, dass er noch einmal nach Las Vegas kommen wird (1989 wird er ein Minirezital im legendären Hotel Sands haben). Unabhängig voneinander bieten drei amerikanische Manager Karel Gott eine Karriere an, die Chance Amerika zu erobern. Eine Situation, die sich bei jedem Aufenthalt in den USA wiederholt. Die Bedingung der Manager ist der dauerhafte Umzug nach Amerika. Doch Karel Gott trifft die Entscheidung, sein Publikum zu Hause nie zu verlassen. Er weiß, dass es seine tschechischen Fans sind, die ihm immer die Treue hielten und die ihn stützten, wenn gegen ihn scharfe mediale Kampagnen gefahren wurden.

Karel Gott ist ein nationales Phänomen. Er gewinnt die Umfragen, die der normalen Zuhörer und Zuschauer wie die der Experten (neben der "Goldenen Nachtigall" sollte man auch die Umfrage der Fernsehzuschauer „TÝTÝ“ nennen), seine Verkaufszahlen sind Rekord und er tritt in den größten Konzertsälen des Landes auf. Und er füllt sie. Seine Auftritte in der Prager „Lucerna“, fünfmal hintereinander - ausverkauft, zweimal hintereinander ist die Prager T-Mobile Arena voll bis zum Dach. 1985 wird Karel Gott der Titel Nationalkünstler verliehen. 1992 erhält er eine diamantene Scheibe von Supraphon für 13 Millionen verkaufte CDs. Diese Zahl steht für 86% der Menschen der ehemaligen Tschechoslowakei.

Nur zum Vergleich - Michael Jackson müsste in den USA insgesamt 215 Millionen CDs verkaufen, um den gleichen Grad der Popularität zu erreichen wie Karel Gott. Wie man sieht hätte Karel Gott einen Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde verdient. Allein für die Plattenfirma Supraphon nimmt Karel Gott in den Jahren 1962 bis 1993 182 Singles, 63 Langspielplatten und 2 Musikvideos auf. 2004 erhält Karel von Supraphon eine Multiplatinscheibe für die Doppel-CD „Karel Gott-42 největších hitu“ und eine goldene Schallplatte für die Doppel-CD „Karel Gott - Lásko má (Nejkrásnější písně o lásce)“.

1993 gründet er zusammen mit JUDr. František Janeček die Agentur GOJA, die 8 seiner CDs herausbringt und seine Konzerte in Tschechien organisiert.

Für Karel Gott ist typisch, dass er nicht nur zu Hause, sondern auch in Polen, Bulgarien, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und in den deutschsprachigen Ländern sein Publikum findet. Durch tausende Konzerte, mehr als siebzig Tourneen, hunderte von Fernsehsendungen, zehn eigene Fernsehshows und 30 Millionen verkaufte CDs lernten Menschen in vielen Ländern der Welt den Künstler Karel Gott kennen, dessen Gesang nicht zu altern scheint. Das sind Länder wie Japan, die USA (fünfmal Teilnahme am Festival der Countrymusik in Nashville), Kuba, China, Spanien, Holland, Belgien, Luxemburg, Griechenland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada, aber auch Länder wie Venezuela, die Vereinigten arabischen Emirate oder Australien.

Wo liegen nun die Gründe für Gotts langjährige Popularität? Wohl vor allem darin, dass er der erste (und wohl auch einzige) tschechische Sänger ist, der seine stimmlichen Fähigkeiten mit Melancholie und Charme und seine Professionalität mit den Ausdrucksmöglichkeiten der modernen Popmusik kombiniert. Diese Fähigkeit, auf mehreren Hochzeiten tanzen zu können (eine Gabe, die auch im Weltmaßstab recht selten ist), zeigt sich auch in seinem breiten, teilweise völlig gegensätzlichen Repertoire. Die Volksmusik der europäischen Länder, ausgewählte Opern- und Operettenarien, klassische Musikkompositionen, italienische Canzonetten, Jazz, Musicals, Rock-n-Roll, Country, Disco und Rock, auf all diesen Gebieten ist Karel zu Hause. Wer sich ein Bild vom Karel Gott des einundzwanzigsten Jahrhunderts machen möchte, sollte die Alben anhören, die 2002 herausgekommen sind. Das Album „Pokaždé“ mit den Hits „Jako James Bond“, „Stíny dvou“, „Pokaždé“ und „Jestli já tě budu mít rád“, das Album „Swing kolekce“ mit Frank-Sinatra-Liedern, das Album „Koncert hvězd na Žofíně“ mit Eva Urbanová, Peter Dvorský und Helena Vondráčková oder das Album „Kouzelné vánoce“ mit Lucia Bílá, dem Geiger Pavel Šporcl und dem tschechischem Knabenchor Boni pueri. Karel Gott verließ sich nie auf das Wiederholen seiner größten Hits. Ehe ist es umgekehrt, ständig hört man von ihm neue Lieder. Manchmal sogar von eher untypischen Autoren wie DJ Bobo, Pavel Habera, Janek Ledecký, Peter und Pavel ORM, Michal David oder Lešek Vronka und Šimon Kalousek.

Ausdauer, außergewöhnlicher Fleiß, Elan und Verlässlichkeit und, nicht zuletzt, Begeisterungsfähigkeit sowie Interesse für alles Neue, das alles sind Eigenschaften, die Karel zweifellos herausheben. Erwähnenswert ist auch sein Verständnis für andere Menschen (und hier sollte man über Dinge sprechen, über die er selber ungern spricht - über seine finanzielle Unterstützung für die Kinderabteilung des Krankenhauses Motol oder für die Stiftung Chantal, über seine regelmäßige Unterstützung verlassener und misshandelter Kinder oder über seine Hilfe für die Hochwasseropfer der Jahre 1997 und 2002, einschließlich des finanziellen Beitrages zur Rekonstruktion der Brücke Písek. Es sind die oben genannten Eigenschaften sowie der Respekt zu seinem Publikum, die aus Karel Gott KAREL GOTT gemacht haben. Trotz sich verändernder Mode und neuen Musiktrends bleibt Karel Gott populär. Und so ist ihm auch eine Fähigkeit geblieben, die man nirgendwo kaufen kann - die Fähigkeit zu bezaubern.

Jan Adam, 2004

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